Nachruf auf Ferida Osmanovic

Am deutschen Gesundheitswesen gescheitert – In der Nacht von Donnerstag auf Freitag vor Ostern verstarb Ferida Osmanovic, wir Aktive von BASTA! sind traurig.

Wedding – Frau Osmanovic kam häufig zu uns in die BASTA! Beratung, zum Reden, zum Essen zur Unterstützung. Ferida war vielen als Oma im Stadtteil bekannt. Eine schöne Frau von 77 Jahren, eine Überlebende des Porajmos. Wie viele Roma mussten sie als Kind existenzielle Erfahrungen von Tod, Verlust und unsagbarem Schrecken in einem Ustascha Lager machen.

Als neuere Einwohnerin Berlins, die aus einem EU-Land kam, hatte sie keinen Zugang zur regulären Gesundheitsversorgung. Der Zugang zu einer Krankenversicherung war für sie als alte Frau, die nicht erwerbstätige war, unmöglich. In ihrer Gleichgültigkeit und völliger Unterordnung unter Gesetzen und Verordnungen, wollten weder das Sozialamt Berlin Mitte, noch der Beauftragte des Berliner Senats für Integration und Migration ihr in den gesundheitlichen Notlagen in der sie war, helfen. Ferida hat bitterlich geweint, als wir beim Beauftragten des Berliner Senats ohne Unterstützung zu erhalten, fortgeschickt wurden. Sie brauchte dringend eine Herzoperation und eine Behandlung an der Niere.

Unterstützung erfuhr‘ sie eher im Kiez, vom Gemüsehändler, dem Dönerladen, den Spätis von Nachbar*innen und anderen Personen, die sie zu Ärzt*innen begleiteten und Medikamente besorgten.

Ferida erzählt:

Mein Name ist Ferida Osmanovic, geb. Bajramovic. Mein Vater Ibro Bajramovic war Ofenbauer und meine Mutter Zlata Bajramovic, geborene Bajramovic hat auf Märkten selbst gemachte Spezialitäten verkauft. Meine Familie ist muslimisch. Ich bin geboren 7.10.1942 in im Süden von Jugoslawien,dem heutigen Grenzgebiet von Kosovo im Kreis der Kleinstadt Prijepolje (vor dem Feld) dem Dorf Tasevo. Da ich während des 2. Weltkrieg geboren wurde bin ich mit meiner Familie und dem ganzen Dorf in das Sammellager Lim am Fluss Lim getrieben worden. Viele von uns wurden dort erschossen und in den Fluss geworfen. Meine schwangere Mutter und ich wurden von einem Dolmetscher aus dem Lager gerettet. Wir sind dann in die Kreisstadt Prijepolje zurückgekehrt. Meine Großeltern habe ich nicht kennengelernt. Sie kamen ursprünglich aus Anatolien. Nach dem Krieg bin ich nicht zur Schule gegangen, nicht einen Tag.

Mit 15 Jahren habe ich angefangen wie andere Familienangehörige in der Landwirtschaft zu arbeiten. Davon haben wir uns ernährt. Mit 18/19 Jahren bin ich mit meinem zukünftigen Mann nach Zagreb gezogen. Ich war verheiratet und bin seit 1992 verwitwet. Ich habe 3 Kinder geboren, von denen zwei als kleine Kinder gestorben sind. Meine älteste Tochter war in einem Pflegeheim des Krankenhauses, sie galt als geistig behindert und ist dort auch mit 6 Jahren gestorben. Meine zweitgeborene Tochter hatte eine Hirnhautentzündung und ist daran verstorben. Meine jüngste Tochter ist heute erwachsen. Mein Mann und ich haben in der Tourismusbranche zur Saison gearbeitet. Wir haben am Strand von Vodice (kleines Wasser) Souvenirs verkauft. Für die Dauer der Saison haben wir zur Miete bei einer Familie gewohnt. Meine jüngste Tochter war jedes Mal mit dabei. Sie ist ebenso wie ich nicht zur Schule gegangen. Wir konnten von dem verdienten Geld im Sommer den Rest bis zur nächsten Saison leben. Es gab eine Art Winterhilfe, wie Holz, Nahrungsmittel und Kinderbekleidung. Üblich war das alle Menschen im Land medizinisch versorgt werden, man brauchte also keine Krankenversicherung kaufen. Rentenversicherung hätte ich als Freiberuflerin selbst zahlen müssen, das habe ich nicht getan.

Nach der Saison sind wir wieder nach Dubra Va bei Zagreb in unser Haus. Das Haus hatten wir selber gebaut. Später, während des Krieges 1999 (Nato-Bombardierung), haben neue „Nachbarn“, die während des Krieges ins Dorf kamen, unser Haus zerstört um das Grundstück für sich übernehmen zu können. Der Krieg hat tiefe Gräben zwischen den Menschen gezogen und sie entzweit. Ich habe Kroatien verlassen.

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