BASTA macht Geschichte

Für zwei Tage besuchte eine kleine BASTA!-Reisegruppe die beschauliche Stadt Bamberg. Wir waren an die Uni eingeladen worden um unsere Arbeit beim 5. Nachwuchssymposium des „AK Kritische Geschichte“ vorzustellen. Studierende aus Bamberg hatten ein zweitägiges Programm vorbereitet, in dessen Mittelpunkt Vorträge von lokalen Studierenden und Gastdozent*innen aus ganz Deutschland standen. Dabei folgte die Tagung einem chronologischen Aufbau, der mit dem Thema der Erwerbslosigkeit im Mittelalter begann und mit unserem gegenwartsbezogenem Beitrag abschloss. Am Freitag wurden wir bereits mit dem mächtig dichten Programm überrascht und wir folgten den eindrücklichen Ausführungen von Jule Ehms zur Verknüpfung der Frage von Arbeiter*innen und Arbeitslosen innerhalb der FAUD der Weimarer Republik. Besonders gut gefielen uns auch die zwei folgenden Vorträge aus der Zeit des Nationalsozialismus: Zum einen „Arbeitslosigkeit als Stigma“ von Nikolas Lelle und Yves Müllers Vortrag über den Zusammenhang von Arbeitslosigkeit und Männlichkeitsbildern am Beispiel der Sturmabteilung (SA).

Der Samstag vormittag war ähnlich dicht gedrängt und hielt einige Perlen für uns bereit. Wie sich das Bild von Arbeitslosen und der Umgang mit ihnen nach der Befreiung Deutschlands als Kontinuitäten fortsetzten, verdeutlichte Benjamin Bauer anhand des KZ-Dachau im Postfaschismus. Sehr hörenswert empfanden wir zudem die Schilderungen Kyra Palbergs über die (Re-)Konstruktion eines spezifischen medialen Bildes der Figur des*der Arbeitslosen seit der 80er Jahren. Abgerundet wurde das tolle inhaltliche Programm durch eine sympathische Betreuung und Verköstigung. Die Stadtspaziergänge und der gemeinsame Abend „auf dem Keller“ lockerten das Wochenende angenehm auf.

Auch wenn es eine theoretisch-wissenschaftliche Konferenz war, so kam uns der Bezug zur politischen Praxis jedoch etwas zu kurz. Wenig konnten wir über das Selbstverständnis des Syposiums, des „AK-Kritische-Geschichte“, oder der Referierenden und deren Verortung im Kontext Sozialer Kämpfe erfahren. Im sehr förmlich wirkenden Rahmen waren wir und die Bamberger Erwerbsloseninitiative mit einem gemeinsamen Vortragsplatz ziemlich an den Rand gedrängt. Die Frage nach dem Verhältnis von Theorie und Praxis und damit auch zwischen Wissenschaffenden und politischen Gruppen wurde leider ganz umgangen. So können wir das Teil-Fazit der Konferenz („Wenn über Arbeitslose geredet wird, wird in der Regel über Menschen geredet, die über Arbeitslose reden“) mit unserem Eindruck vom Wochenende in gewisser Weise zurückspiegeln. Dass dies nicht zwangsläufig so sein muss, zeigte die Atmosphäre und das soziale Miteinander, in das der offizielle inhaltliche Teil eingebettet war. Wir wünschen uns im Sinne lieb gemeinter produktiver Kritik, ein Verständnis, dass Politische Theorie und Praxis zusammen gehören. Auch auf solchen Konferenzen bedarf es Raum zum Thematisieren, wie jene in einem gemeinsamen Kampf zusammen zu denken und führen sind.

Nach ausgiebigem, die kollektive „Ortsabwesenheit“ abschließendem Plantschen in der Regnitz bedanken wir uns bei allen, die in das tolle Projekt involviert waren.

Wir kommen gerne wieder!

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